Weniger ist mehr – Glück heißt Balance

Wein ist kein Lebensmittel, sondern ein Genussmittel – es geht nicht um Grundversorgung, Hunger oder Durst. Genuss macht uns glücklich, und das ist das Wichtige daran: Glück und Freude zu empfinden. Wir können uns aber nicht durch immer „mehr“ glücklich machen. Es geht bei allem im Leben um Balance und Rhythmus. Man erlebt es jeden Tag: Haben wir Hunger, schmeckt alles intensiver, wir riechen und schmecken mehr, und das Essen ist ein erfüllendes, glücklich machendes Ereignis. Versuchen wir dann, glücklicher zu werden, indem wir so oft und so viel davon essen, was uns eigentlich gut geschmeckt hat, ohne auf den Hunger zu warten, wird es weniger schmecken, weniger besonders und am Ende sogar ungesund sein, was uns wiederum unglücklich macht.

Man hilft sich selbst, der Umwelt und dem Winzer, wenn man seltener Wein trinkt und dafür etwas Gutes. “Etwas Gutes“ bedeutet für mich: handgelesene, handwerklich hergestellte, authentische Weine aus naturnah bewirtschafteten Weinbergen ohne den Einsatz von Kunstdüngern. Die Weine, die durch dieses Raster fallen, finde ich zweifelhaft, weil dann ein Teufelskreis beginnt aus höheren Absätzen, Individualität von Jahrgang, Herkunft und Handschrift, die immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird, Konkurrenz durch Discounter, uniformem und belanglosem Geschmack und aus all dem resultierend eine Kundschaft, die immer seltener bereit ist, mehr Geld für eine gute Flasche Wein auszugeben, obwohl Qualität vor Quantität stehen sollte – was uns wieder an den Anfang des Kreislaufs führt. Bei denen, die am günstigsten produzieren, bleibt am wenigsten übrig, und ihre Weine schenken kaum nach Genuss. Man kann nicht erwarten, das 6 Flaschen zu je 3,00 Euro dieselbe Qualität und denselben Genuss bieten wie eine Flasche, die 18 Euro kostet. Das ist so, als ob man sich viele schlechte Bilder in der Wohnung aufhängt anstatt ein besonderes, vor dem man verweilen kann, weil es einem immer wieder Freude bereitet, wenn man es sich ansieht.

Durch diese Massenwirtschaft schaden wir der Umwelt, und wir verlieren Kultur, Geld, Genuss und Gesundheit, ohne dass es uns etwas bringen würde. Die Welt ist nicht schwarz- weiß, keine Regel ohne richtige und wichtige Ausnahme, aber das Prinzip stimmt. Wir müssen uns auch nicht alles leisten können, den schönsten Urlaub, das teuerste Auto, das größte Haus, den exklusivsten Schmuck, den besten Wein, die ausgefallensten Kleider, den schärfsten Fernseher etc. Wenn wir uns auf einige Dinge beschränken, können wir uns deutlich Besseres leisten, was uns dann auch nachhaltiger und insgesamt wesentlich glücklicher macht. Balance, Verzicht und Genuss, weniger ist mehr.

Schwarz-weiß – biologisch, biodynamisch, nachhaltig, regional

Die Welt ist nicht schwarz-weiß, sie ist bunt und wandelbar, für jede Regel gibt es eine richtige und wichtige Ausnahme, die ihren Sinn hat. Ich bin niemand, der nachhaltiges umweltbewusstes Arbeiten in Zertifizierungen oder in Schwarz und Weiß einteilt. Trotzdem hat jeder Mensch einen moralischen Kompass, den er im Leben ständig neu kalibriert und anhand dessen er Entscheidungen fällt. Wir haben uns für die biologisch-biodynamische Landwirtschaft entschieden, weil wir davon überzeugt sind, dass wir so nachhaltiger die Qualität unserer Weine schützen und sogar steigern können. Wir verwenden daher keine Herbizide, chemischen Pflanzenschutzmittel, Kunstdünger oder künstliche Schönungsmittel. Wo es geht und sinnvoll ist, versuchen wir, auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zu achten, wie z. B. durch die Nutzung von selbst erzeugtem Solarstrom, Nutzung von kompostierbaren Materialien in Weinbau und Keller sowie die Nutzung regionaler Ressourcen und Dienstleister. Wir verwenden für unsere Fässer ausschließlich Eichen unserer Region, die im Spessart gewachsen sind.  Ein Küfer, der vor Ort in Franken produziert, liefert die hergestellten Fässer direkt an uns aus.

Authentische Weine
Fränkische Spätburgunder

Spätburgunder wird seit Jahrhunderten in Klingenberg angebaut, und kaum eine andere Sorte kann ihre Herkunft, die Menschen und ihre Qualität so gut darstellen wie Spätburgunder. Für uns spielt sich die Arbeit im Weinberg ab, dort betreiben wir den größten Aufwand. Wir wollen einen Einheitsgeschmack in unseren Weinen verhindern und vergären sie bewusst nicht mit gezüchteten Hefestämmen, sondern mit den weinbergseigenen, die bereits auf Beerenhaut im Weinberg gewachsen sind – eine sogenannte Spontanvergärung. Der Name kommt daher, dass es kein geregelter Prozess ist, den man einleiten kann. Die Hefen aus dem Weinberg müssen erst vermehrt werden, damit der Kreislauf der Gärung in Gang kommt, dann beginnt sie irgendwann von alleine spontan. In dieser Zeit vor der Gärung werden dann noch wichtige Inhaltsstoffe wie Farbe und Aroma gelöst, was einen zusätzlichen Gewinn bedeutet, Voraussetzung hierfür ist 100 % optimales und gesundes Lesegut. Im Keller geben wir dem Wein nur noch die nötige Zeit. Wir verzichten auf Schönungsmittel und füllen die meisten unserer Weine auch unfiltriert ab, um ihnen jede Facette ihres Charakters und ihrer Qualität zu lassen. Das führt vielleicht manchmal zu Weinen, die auch jemand ablehnt, weil sie speziell sind, aber genau das ermöglicht es, dass es Menschen gibt, die sagen: „Unglaublich, das ist genau mein Wein, er ist perfekt für mich!“ Und weil es so viele Weine auf der Welt gibt, liegt die Faszination auch in der Vielfalt. Wir wollen deshalb mutige, unverfälschte, authentische Spätburgunder machen. Wie heißt es so schön: Versuche nicht, anders zu sein, sei du selbst, andere gibt es schon genug.

Permakultur – Kreislaufwirtschaft

Seit einigen Jahren beschäftigen wir uns mit großer Hingabe mit der Idee der Permakultur sowie mit der Idee der Kreislaufwirtschaft und der Idee des autarken Weingutes. Permakultur ist der sich selbst erneuernde Kreislauf der Natur, den der Mensch minimal arrangiert und lenkt anstatt einzugreifen.. Durch die Kombination und Anordnung natürlicher Elemente wie Pflanzen, Bäume, Tiere und Steine etc. werden Bedingungen geschaffen, dass sich die Natur selbst reguliert und sich jedes Jahr beständig und stabil erneuert. Ein perfekter Kreislauf. Da es Perfektion nicht gibt und dies ein hoch spannendes Feld, ist es eine Lebensaufgabe und sicherlich eine nie endende Aufgabe, aber wir entdecken immer wieder Dinge, die wir in unser Weingut integrieren können, sodass wir uns immer weiter entwickeln. Beispielsweise ist die Haltung von Schafen in den Weinbergen ein fester Bestandteil unserer Arbeit geworden sowie die des Eingrenzens mancher Weinberge mit lebenden Zäunen aus Weiden, von denen wir wiederum Material zum Anbinden unserer Reben gewinnen. Der Traum vom absoluten Kreislauf funktioniert nur, wenn man ihn global denkt und wir uns die Aufgaben teilen. Aber es ist möglich und langfristig wohl unser größtes Ziel, denn wir haben bislang nur eine Welt.

Qualität – die Summe aller Eigenschaften

Die Sinneseindrücke wie Geruch, Geschmack und Farbe sind die wichtigsten äußeren Merkmale für einen Wein. Für mich persönlich machen sie 50 % aus, weil sie von äußeren Bedingungen wie Mensch, Wein und Gelegenheit abhängen. Diese Merkmale wandeln sich mit der Zeit, Wein kann in der Jugend wie ein Mensch fordernd, wild und ungestüm sein oder auch verschlossen in sich gekehrt, und auch wie ein Mensch braucht es Zeit, um alles in Balance zu bringen. Ebenso gibt es eine Zeit der Reife, in der nicht mehr die Kraft, sondern die Weisheit, also die perfekte Balance, die Faszination eines großen Weines ausmacht. Der richtige Wein zur richtigen Zeit für den richtigen Menschen ist die Formel für den perfekten Weingenuss.
Die anderen 50 % sind für mich das ethische Fundament. Kann ich mit gutem Gewissen genießen, oder genieße ich auf Kosten anderer oder der Umwelt? Ist mein Genuss authentisch und ehrlich? Mir ist das gute Gefühl beim Genuss wichtig, sonst schmeckt es mir nicht. Ich möchte nicht nur mit den Sinnen genießen, sondern auch mit dem Herzen.

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